Was soll der ganze Schotter hier?

Über Schotter im Gehege unserer europäischen Landschildkröten, wurde bereits sehr viel geschrieben, mir scheint jedoch, dass der Sinn dahinter nicht immer richtig verstanden wird.

Da liest man über die hervorragenden Eigenschaften von Kalksplitt und schon machen sich engagierte Schildkrötengehegebauer auf die Suche nach diesem Gestein. Mir stellt es immer wieder die Haare auf, wenn ich Gehege voller Geröll sehe und dabei spielt es nur wenig Rolle um welches Steinmaterial es sich handelt. Ob Kalksplitt, Flussschotter oder ein grober Bauschotter – was zu viel ist, ist einfach zu viel!

Auf der Suche nach mediterranen Landschildkröten in freier Wildbahn kam ich im Laufe meiner Jahre auf die unterschiedlichsten Biotope. So fand ich diese Tiere in hohen, fast steppen artigen Graslandschaften, in steilen, durchaus felsigen Berghängen, in Wäldern, in denen ich diese Reptilienart niemals vermutet hätte und auch in der, für diese Tiere typischen Macchia. Sogar in sehr sandigen Gebieten, nahe dem Meer konnte ich diese Panzerwesen schon beobachten. Auf einer Schotterwüste leben diese Tiere jedoch nie. Wären sie doch völlig hilflos allen Feinden ausgeliefert, kaum Verstecke, keine geeigneten Eiablageplätze und sicherlich anders als in unserem Klima, würden sie auf einer solchen Schotterebene bald gegrillt und geröstet dahin scheiden, wenn sie nicht schon vorher ein Raubvogel ergriffen hat.



Was also soll der ganze Schotter im Gehege?

Schotter im Schildkrötengehege hat durchaus seine Berechtigung. So lockert er den Boden, lässt ihn. Nach jedem Regenguss wieder schnell abtrocknen, erwärmt sich schneller und je nachdem wie viel Schotter man einbringt macht er ein Gehege tritt fest und übersehbarer. Wie so oft, macht es auch hier die Dosis aus, um ein Gehege in eine mediterrane Landschaft zu verwandeln.

Auf der folgenden Fotodokumentation  zeige ich den Bau eines meiner Gehege.



Nachdem die gesamte Grasnarbe entfernt wurde bracht ich einiges an Löschkalk aus. Davon erhoffte ich mir, auch tiefer liegende Graswurzeln, durch die enorme Hitzeentwicklung, die beim Löschen entsteht, abzutöten. Inwieweit dadurch der Boden noch zusätzlich sinnvoll mit Kalk angereichert wurde, vermag ich nicht zu sagen. Sicherlich konnten so auch sämtlichen Nacktschnecken und deren Gelege, die schön langsam eine wirkliche Plage sind, der Gar ausgemacht werden.



Danach verwandelte ich tatsächlich alles in eine Schotterwüste. Dazu verwendete ich einen groben Bauschotter und schöne runde Fluss Kieselsteine. Nun war das Gehege übersichtlich – für diese Tiere wohl viel zu übersichtlich und so mussten sich diese auch noch ein Jahr lang gedulden, bis sie sich dieses Stück Land erobern können.



Da in einer solchen Schotterlandschaft kaum Pflanzen wachsen, wurde eine mäßige Schicht „Rasenerde“ aufgeschüttet. Diese Erde beinhaltet nur wenig Düngermittel und wurde zusätzlich mit Sand abgemagert. Ungefähr ein Drittel dieser Erde ist reiner Quarzsand.

Wie man auf dem Foto gut erkenne kann, wurde nicht alles mit Erde zugeschüttet, auf einigen Stellen blieb eine dicke Schotterschicht.



Im Herbst wurde eine große Zahl verschiedener Samen von Futterpflanzen ausgestreut. Aber auch mediterrane Gewächse und Sträucher wurden eingesetzt.



Nun durfte nichts austrocknen. Es musste fleißig gegossen werden.



Bald schon zeigten sich die ersten Keime.


Auch viele Wildpflanzen wurden, sehr zum Erstaunen meiner Nachbarn, eingepflanzt. Bald schon wurde ich vom halben Ort mit ausgestochenem „Un“kraut versorgt.



Alles keimte und wuchs gut an, als der Winter, gnadenlos alles mit einer dicken Schneedecke zudeckte und so nicht nur vor der Eiseskälte schützte, sondern auch gut durchfeutet hat.

Im Frühling wuchs alles prächtig und bald schon konnte meine sardische Gruppe von einem Männchen und 5 Weibchen ihr neues Gehege beanspruchen.

Hunger leiden müssen die Tiere nun nicht.



Die untere Schotterschicht wirkt wie eine Drainage und trocknet den Boden nach jedem Regen rasch auf. Die vielen Steine erwärmen sich in der Sonne, speichern diese und sorgen so für ein milderes Klima im Gehege. Ich selbst bemühe mich möglichst auf den Schotterwegen zu bleiben, da ist es ein wenig übersichtlicher und dem entsprechend kann ich nicht so leicht versehentlich auf eines meiner Tiere steigen. Obwohl auch hier sich die Natur rasch alles wieder zurückerobert hat und alle Samen, die dort landeten eine feste Decke bilden.



Durch den vielen Schotter konnte ich nicht nur erreichen, dass sich der schwere, lehmige Tonboden in einen leichten, sandigen mageren Boden verwandelt hat, auch wachsen auf dieser Magerwiese nun ganz andere Pflanzen, als nur wenige Meter weiter. Es scheint fast so, als hätte ich in meinem niederösterreichischen Garten, ein kleines Stück Sardinien geschaffen. Und so genießen meine Schildkröten die warmen Sonnenstrahlen, obwohl es draußen gerade wieder einen kurzen heftigen Graupelregen gegeben hat. . April im Alpenvorland ist eben doch anders als im Mittelmeerraum – hoch lebe das Frühbeet - aber, das ist wiederum eine andere Geschichte :-)




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